Das Olbersdorfer Sühnekreuz

 

Sühnekreuz (August-Bebel-Straße)

Das Olbersdorfer Sühnekreuz wurde 1969 auf den
Kretschamfeldern gefunden. Es erinnert an einen
Totschlag, den Müllermeister Jorge an dem Bauern
Heidematthes beging. Nach Korschelt fand dieser
Totschlag 1495 statt. Der Täter verglich sich
mit der Witwe des Erschlagenen, indem er:

    - ein Tuchgewand geben,
    - dreißig Seelenmessen lesen,
    - ein Seelbad stiften,
    - eine steinerne Kapelle mit einem
      Kruzifix aufrichten,
    - ein steinernes Kreuz setzen und
    - eine Romfahrt tun wolle.

Sühnekreuze geben einen Hinweis auf ein Verbrechen, auf einen Totschlag, wenn man den Täter
gefasst hatte. In dieser mittelalterlichen Zeit, als vielerorts noch das Recht des Stärkeren galt,
glaubte man, dass die Seele des Erschlagenen keine Ruhe finden würde, dass sie als Irrlicht oder
Gespenst solange herumirren würde, bis eine Bestrafung des Täters erfolgt und bestimmte
Auflagen erfüllt seien. Die Partei des Täters wie des Opfers einigte sich auf eine weltliche und
vor allem kirchliche Buße, die auch zur ‚Entsühnung“ des Täters und zur Wiedereingliederung
in die Gesellschaft führen sollten.
Die weltliche Buße bestand aus genauen Hinweisen auf eine materielle Entschädigung der Witwe
oder deren Kinder als Wiedergutmachung, vor allem aber auch aus dem eigenhändigen Schlagen
eines solchen ‚Sühnekreuzes“.

Die kirchliche Buße umfasste beträchtliche Auflagen, um die Seelenruhe des Getöteten
sicherzustellen. Es umfasste - je nach sozialem Stand des Getöteten - eine bestimmte Zahl von
Seelenmessen mit genauer Angabe der Zahl der Priester oder der zu brennenden Kerzen,
schließlich wurde noch eine Wallfahrt gefordert, die meist nach Rom oder Aachen führten konnte.
Kehrte der Pilger nach längerer Zeit zurück, war meist „Gras über die Sache gewachsen“, und
er galt in seinen Umfeld als entsühnt.

Nach deutschen Rechtsbrauch wurde Totschlag von Mord unterschieden. Totschlag wurde milder
bestraft. In der Regel wurde die Tat durch Zahlung eines Sühnegeldes oder einer materiellen
Entschädigung der Witwe, lesen von Seelenmessen, durch Wallfahrten nach Rom, Seelbäder *,
durch Errichtung eines steinernen Kreuzes oder durch den Bau einer Kapelle in der
Vorübergehenden ein Vaterunser für den Erschlagenen beten konnten, gebüßt.

*)Ein Seelbad war eine in norddeutschen Städten verbreitete milde Stiftung. An festgesetzten
   Tagen erhielten die Armen in ein saunaähnliches Bad kostenlos Einlass und beteten als
   Gegenleistung für das Seelenheil des Stifters.

 

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